Neues Punktesystem beim Ringen schafft grundlegende Veränderungen

19.04.2018



Nach dem Gewinn der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft kehrte Ruhe ins Lager der Burghauser Ringer ein. Abschalten vom Liga-Stress, Regeneration der geschundenen Knochen und leichtes Training standen zuletzt im Vordergrund. Doch hinter den Kulissen begannen direkt nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte sich die Rädchen schon wieder zu drehen. Denn: Nach der Saison ist bekanntlich vor der Saison. Bedingt durch das neu eingeführte Punktesystem, mit dem der Deutsche Ringerbund die 1. Bundesliga erreichen möchte, die 1. Bundesliga ausgeglichener zu gestalten und die deutsche Eliteklasse auch für weniger finanzstarke Vereine attraktiv zu machen, wartete viel Arbeit auf die sportliche Leitung der Burghauser Ringer.

Matthias Maasch und Andreas Maier zählen in der kommenden Saison als Eigengewächse - dies wird mit -2 Punkten im neuen Punktesystem bewertet

In der Burghauser Meistersaison gab der DRB Obergrenze für Personalkosten in Höhe von 150.000€ vor. Da dieses System quasi nicht kontrollierbar war, wird es in der kommenden Saison durch ein Punktesystem aufgelöst. Dies gestaltet sich wie folgt: Allen Mannschaften stehen 28 Punkte zur Verfügung, die auf das Team aufgeteilt werden können. Zudem wird jeder Ringer gemessen an seinen Erfolgen und seiner Nationalität mit entsprechenden Punkten bewertet. Für die Einstufung aller Athleten werden die vier vorausgegangenen Jahre als Bewertungsgrundlage herangezogen.

Bewertungskriterien für Ringer in der Saison 2018/19:

- Einheimische Ringer, die mind. seit dem 15. Lebensjahr im Verein ausgebildet wurden: generell -2 Punkte, selbst wenn höher einzustufende Erfolge vorliegen

- Mindesteinstufung pro Ringer: 1 Punkt

- Deutsche Kaderathleten: 2 Punkte

- Deutsche Meister der Junioren sowie Silber- und Bronzemedaillengewinner der Männer: 2 Punkte

- Deutsche Meister der Männer: 3 Punkte

- Medaillengewinner bei Welt- und Kontinentalmeisterschaften der Junioren und U23: 3 Punkte

- Medaillengewinner bei Olympia, Welt- und Kontinentalmeisterschaften der Männer: 4 Punkte

- Ausländische Athleten: 4 Zusatzpunkte

Unabhängig von der Klassifizierung der Sportler gilt auch in der anstehenden Saison eine Deutschquote von sechs Sportler. Von den max. vier einsetzbaren Ausländern darf ein Athlet wie schon bisher aus dem Nicht-EU-Raum stammen. Diese Klassifizierungen der Sportler kommt vor allem Vereinen zu Gute, die mit einer Vielzahl von selbst ausgebildeten Sportlern antreten können, sodass die eigene Jugendarbeit belohnt wird.  Eine Vielzahl von anderen Mannschaften stehen nun vor dem Problem, dass die qualitativ stärksten ausländischen Ringer - allesamt Medaillengewinner bei großen internationalen Turnieren - 8 Punkte kosten würden. Dies wird bedingt durch den engen 28-Puntke Rahmen quasi unmöglich, sodass auf den Ausländerpositionen bei vielen Vereinen notgedrungen ein großer Umbruch stattfinden muss. Dies schließt die Ringer des SV Wacker Burghausen mit ein.

Aus Sicht des Publikums darf man dieses System aber auch kritisch hinterfragen. Für Zuschauer, die mit den Regularien im Ringsport nicht zu 100% vertraut sind, wird es vor allem für die Spitzenvereine schwer zu vermitteln sein, warum nicht wie in den vorangegangenen Jahren die beste Mannschaft auf der Matte steht. Besonders die hohe Komplexität des Punktesystems wird dem Großteil der Zuschauer den Zugang zum Ringsport sicherlich nicht vereinfachen. Vor allem bei der Einstufung der Deutschen Ringer wurde bereits sowohl von Vereinen als auch Athleten Zweifel angemeldet, ob das Punktesystem in der aktuell vorliegenden Form in die richtige Richtung geht. Überspitzt gesagt kann man aktuell festhalten, dass jeder deutsche Ringer, der national bzw. international erfolgreich ist, in der Bundesliga dafür mit einem höheren Punktesatz bestraft wird, solange er nicht bei seinem Heimatverein ringt. Auch wenn sich der Deutsche Ringerbund den Amateur-Status der Bundesliga ans Revers heftet, geht es doch immer noch um Leistungssport und schlussendlich um den Titel des Deutschen Meisters.

Abteilungsleiter Jürgen Löblein steht das Punktesystem mit gemischten Gefühlen gegenüber: „Grundlegend sehe ich das Punktesystem als positive Änderung für den Ringsport an. Allerdings gilt es, die Zuschauer dahingehend zu sensibilisieren, dass die Voraussetzungen in der kommenden Saison grundlegend anders ausfallen werden, als noch zuletzt. Während jede Mannschaft bisher versuchte, die beste Aufstellung auf die Matte zu bringen, gilt es ab sofort richtig zu taktieren. Es wird eine Herausforderung, die Ringer mit wenigen Punkten möglichst effektiv einzusetzen und zeitgleich die starken Ausländer so im Kader zu platzieren, dass am Ende das bestmögliche Ergebnis zustande kommt. Das größte Problem sehe ich darin, wenn sich einer der einheimischen Ringer verletzen sollte. Den Ausfall eines Athleten, der -2 Punkte in den Kader mit einbringt, wird nur äußerst schwer zu kompensieren sein. Alles weitere wird sich im Verlauf der Saison zeigen, man darf also sowohl als Zuschauer als auch als Verantwortlicher gespannt sein, wie sich das neue Punktesystem bewährt.“

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